Rotsee direkt - der politische Schwenker des Regierungsrates
Endlich haben SBB und Regierung reinen Tisch gemacht – die langjährig verfolgte Idee, die Strecke Luzern – Zürich am Rotsee auszuweiten, führt in die Sackgasse. Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis, da gleich neben dem Rotsee der nächste Engpass (die Bahnhofszufahrt) liegt. Mehr Kosten und viel mehr Nutzen verspricht „Rotsee direkt“ – die Bahnhofzufahrt Luzern auf separaten Gleisen mit Tunnel und Tiefbahnhof. Die Kapazitäten für den nationalen Verkehr und für die S-Bahn sind mit dieser Variante vom ersten Tag an massiv grösser, die Investitionen lassen sich später nahtlos ergänzen (von der Tiefzufahrt zum Tief-Durchgangsbahnhof, Schlaufe Emmenbrücke, Verdichtung auf den neu geschaffenen Gleisen) und nachfolgende Generationen können frei entscheiden, wo für sie die Prioriäten liegen. So weit so gut.
Politisch bemerkenswert ist, dass seit heute auch der Luzerner Regierungsrat (zusammen mit Ob- und Nidwalden) offiziell vertritt, dass auch die Kantone einen substanziellen Beitrag an dieses Werk leisten müssen und leisten werden. Bisher hat sich der Regierungsrat kategorisch gegen jeden Vorstoss aus dem Kantonsrat gewehrt, der eine Mitfinanzierung oder die rechtzeitige Bereitstellung von Geldern auch nur im Ansatz beinhaltet hat. Nun darf man gespannt sein, wie die offerierten 300 Millionen (vor)finanziert werden sollen.
Allein, mit diesem Zugeständnis ist es nicht getan. Wenn wir noch erleben wollen, dass der neue Bahnhof Luzern eröffnet wird, müssen die Luzerner und Zentralschweizer Interessen wesentlich aktiver als bisher in Bern vertreten werden. Niemand wartet auf uns. Die Milliarde für dieses Bauwerk fehlt an einem anderen Ort. Wer sich also nicht laufstark und koordiniert für die an sich gute Sache wehrt, bleibt chancenlos und wird weiter abgehängt. Wann gibt es den nächsten Zug nach Bern, der vom Baudirektor angeführt wird? Wann ist der nächste Termin des Regierungsrates und der Luzerner Bundesparlamentarier bei Moritz Leuenberger?
Schliesslich kommt vor dem Bauen die Planung. Hier kann der Regierungsrat den Tatbeweis antreten, dass es ihm ernst ist. Auch die Planung kostet Geld. Wir erwarten nun die Bereitschaft, rasch finanzielle Mittel (im Budget 2010?) für die Projektierung bereitzustellen, damit wir auch bald wissen, was uns dieses Jahrhundertwerk wirklich kosten wird.
