Weil unser Projekt, Migranten aus dem Kosovo in der CVP zu integrieren, ziemlich viel Medienecho auslöste, gab es auch komische Reaktionen. Mehrere meldeten sich per Mail, einer telefonierte sogar. Mehrmals sagte man der CVP den Untergang voraus und lobte die SVP. Die Tonalität der Reaktionen liessen keinen Zweifel offen: Es haben sich Ausländerfeinde gemeldet. Nun liest man in der Zeitung, dass ausgerechnet auch die politische Heimat dieser Leute ausländisch-stämmige Personen in ihrer Partei integrieren will.
Zweifellos gibt es unter den Zugewanderten auch Personen, die das Gedankengut der SVP teilen. Es ist in der Sache deshalb auch richtig, wenn diese Personen bei dieser Partei offene Türen finden. Allerdings reibt man sich halt schon etwas die Augen: Es ist die SVP, die sehr gezielt mit fremdenfeindlichen Gefühlen von Menschen operiert, die viel macht, um die Zugewanderten auszugrenzen. Sie wehrt sich zudem im Regelfall mit Händen und Füssen gegen deren Einbürgerung. Deshalb hat die SVP jene Klientel in ihren eigenen Reihen, die eben dann bei einem Integrationsprojekt der CVP enerviert mailen und telefonieren. Mich näme nun wunder, wie diese auf die Ankündigung der SVP reagiert haben.
Die CVP musste sich öffentlich den Vorwurf gefallen lassen, nur aus wahlarithmetischen Gründen offen für Migranten und deren Kinder zu sein. Dieser Vorwurf war und ist ungerechtfertigt. Die SVP nun wird sich diesen Vorwurf ebenfalls anhören müssen. Sie wird es aber angesichts ihrer sonstigen Politik sehr viel schwerer haben, ihn zu entkräften. Man darf gespannt sein, ob durch den Integrationsversuch von Migranten bei dieser Partei sich das Schwarz-weiss-Denken in Ausländerfragen aufweicht.